OSCEdays Mission Statement

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Mit einigen Schlüsselelementen. Originaltext von 2014 unten.

 Videoinfo hier.

 

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english version

Worüber sprechen wir, wenn wir Open-Source-Kreislaufwirtschaft (Open Source Circular Economy) sagen?

Wir teilen die Vision einer Kreislaufwirtschaft. Kreislaufwirtschaft ist eine Idee für eine wirklich nachhaltige Zukunft, in der es keinen Müll mehr gibt und unsere Wirtschaft in Symbiose mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen funktioniert. Alle Produkte und die damit verbundenen Herstellungs-, Auslieferungs- und Konsumprozesse sind ausgelegt für verschiedene Wiederverwendungskreisläufe (Neuverwendung, Reparatur, Aufbereitung & Recycling). Jedes Ergebnis (Output) eines Prozesses wird immer zum Eingangsstoff (Input) für einen anderen. Emissionen, Nebenerzeugnisse und defekte oder nicht verkaufte Produkte werden in einer Kreislaufwirtschaft nicht zu Abfall, sondern zum Ausgangsmaterial für neue Produktionszyklen.

Gegenwärtig haben wir lineares System. Wir fördern Ressourcen aus der Erde und wandeln sie über kurz oder lang um in – oft giftigen – Müll. Der Planet wird schneller verbraucht und zerstört als er sich erholt. Die damit einhergehenden Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt und trotz gestiegenen öffentlichen Bewusstseins und vielen Umweltkampagnen sind wir immer noch nicht auch nur in der Nähe belastbarer und großflächig aktiver Lösungen. Gegenwärtige „grüne“ Ansätze wirken kaum als uneffektive Bremsen für die beschriebenen Entwicklungen. Wir brauchen einen radikaleren Neuansatz bei den Techniken, die wir nutzen für unsere Zusammenarbeit und mit denen wir unsere Produkte und Services gestalten, produzieren und ausliefern.

Eine Art, sich eine Kreislaufwirtschaft vorzustellen, ist es, an die Kreisläufe der biologischen Umwelt zu denken. Man kann sich z.B. einen Samen vorstellen, der in nährstoffreichem Boden zu einem starken, erwachsenen Baum heranwächst. Am Ende seines Lebens stirbt der Baum und wird sich zersetzen und wieder zur Nährstoffquelle werden für andere, neue Bäume. Aber das zeichnet ein zu einfaches Bild! Lebendige Organismen haben über Milliarden Jahre hinweg ein dynamisches und vielschichtiges Ökosystem entwickelt, welches nicht in sauberen, kurzen, geschlossenen Kreisläufen funktioniert. Tausende Prozesse sind Teil des Bildes vom sich zersetzenden Baum z.B. Lebenszyklen von Bakterien, Insekten und Pilzen, Wetterverhältnisse, Befruchtungs- und Wachstumsvorgänge, Dynamiken des Kampfes um Lebensräume – der Baum steht in ständiger Interaktion mit all diesen Systemen und Prozessen, die alle wiederum eigene Inputs und Outputs haben und es ist die Kombination von allen, die ein nachhaltiges Ökosystem bildet.

Denken wir dazu im Vergleich an die Gestaltung und Herstellung von Produkten, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass einzelne, voneinander isolierte Unternehmen Prozesse entwickeln können, in denen die Komponenten zweier oder dreier Produkte perfekt aufeinander abgestimmt sich wechselseitig ihre Produktionszyklen mit Rohstoffen versorgen – miteinander ausbalancierte, geschlossene und rückstandsfreie Kreisläufe bilden. Das erscheint als ein extrem schwieriger und unlogischer Weg zu einer Kreislaufwirtschaft.

Wir müssen neue Perspektiven finden, die Dinge neu betrachten: Wir brauchen wirkliche Zusammenarbeit und offene Standards, die länder- & industrienübergreifend funktionieren. Wir brauchen Transparenz bei Produktionsprozessen und Materialien. Wir brauchen Produkte, die leicht untersucht, auseinandergebaut und repariert werden können. Und wenn gute Lösungen entwickelt wurden, muss es breit möglich sein, sie einzusetzen, darauf aufzubauen und sie weiterzuentwickeln, für unsere Gesellschaft(en) und das Wohl unseres Planeten.

Wir brauchen einen Open-Source-Ansatz für eine Kreislaufwirtschaft!

Wir alle teilen unsere ökologischen Probleme, wir sollten auch die Lösungen dafür teilen.

Open Source bedeutet, zu publizieren und verfügbar zu machen. Rezepte, Softwarecode, Baupläne werden offen zugänglich gemacht, so dass jeder und jede sie studieren, einsetzen und darauf aufbauen kann. Dem folgen oft dezentrale Formen der Zusammenarbeit. Divers zusammengesetzte Gruppen diskutieren Ideen und Projekte, geben einander Feedback, beheben voneinander unabhängig Fehler, bauen Prototypen zu neuen Ideen und erschaffen nützliche und individuell anpassbare Software, Hardware, Werkzeuge und Kulturtechniken.

Von Freier-, Libre- & Open-Source-Software, die den größten Teil der Infrastruktur des Internets bildet, über die Wikipedia bis hin zu Open-Street-Map sehen wir, wie solche verteilte/dezentrale Zusammenarbeit außerordentliche Dinge ermöglicht. Und wir können die Werkzeuge und Techniken dieser Tradition nutzen für internationale und interdisziplinäre Zusammenarbeit an verschiedensten Dingen: Nach seinem Erfolg in der Softwarewelt ist das Open-Source-Model weiter gewachsen und hat auf immer mehr Bereiche ausgegriffen, wir haben eine stetig wachsende Bewegung, die von Open-Source-Hardware und Open Design über Open Data bis hin zu Open Government reicht.

Wir glauben, dass diese Art des Zusammenarbeitens – die Open-Source-Art – und die Transparenz und Freiheit, die damit einhergehen, der Schlüssel ist und einzige Weg für eine hochkomplexe, diverse und sich schnell entwickelnde Wirtschaft, umfassende Kreisläufe zu bilden und aufrechtzuerhalten.

Während der Open Source Circular Economy Days (der Open-Source-Kreislaufwirtschaftstage) werden wir eine übergreifende  Sichtweise einnehmen und versuchen zu verstehen, wie verschiedene Systeme miteinander interagieren könnten. Wir werden uns mit konkreten Aufgaben und Problemen auseinandersetzen. Wir werden unsere Ideen und Erfahrungen offen teilen. Und wir werden mit dem Bau einer Open-Source-Kreislaufwirtschaft beginnen. Werden Sie Teil.
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Methodologie

Wie wollen wir dahin gelangen?

Die Open Source Circular Economy Days werden Experten aus Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit zusammenbringen mit der Open-Source-Sicht. In global verteilten und internationalen Arbeitsgruppen werden wir die Möglichkeiten einer auf Open-Source aufsetzenden Kreislaufwirtschaft explorieren und diskutieren. Mit dem Offenheits-Ansatz können viele Dinge (neu) erfunden und möglich gemacht werden:

Einige Beispiele:

  • Offene Bildungsquellen – Funktionierende Praktiken und Techniken z.B. über Kompostierung oder regeneratives Design können als Anleitungen offen geteilt werden.
  • Open-Source-Hardware/Open-Design-Produkte – Offene und transparente Produkte sind einfacher zu warten, zu reparieren, aufzubreiten, wieder zu nutzen und (wenn das Produkt dafür gestaltet ist) auch einfacher zu recyceln. Offene Designs tendieren oft zur Modularität, wodurch die genannten Dinge noch einmal leichter werden. Ein gute Inspiration und Illustration hierfür bietet das Open-Structures-Projekt.
  • Open-Source-Software – Die Software, mit der Unternehmen Ströme von Daten über Produkte und Produktionsprozesse messen und analysieren, wird heute immer besser. Open-Source-Lösungen würden leichteren Zugang zu diesen Möglichkeiten gewähren und eine bessere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen industriellen Nutzern ermöglichen können (Datenaustausch, offene Schnittstellen usw.). Life-Cycle-Assesment (Lebenszyklusanalyse) ist bereits möglich mit OpenLCA und wir selbst entwickeln das IPOtables-Projekt.
  • Offene Materialien und offene Standards – Welche Materialien sind wirklich vollständig recycelbar? Welche Designprinzipien und -komponenten sind nachweislich geeignet für Kreisläufe? Welche Recycling-Techniken und Maschinen/Anlagen arbeiten effektiv? Offene Standards auf all diesen Feldern würden Interoperabilität gewährleisten können und breiteren Zugang zu diesen Technologien geben. Andere erhielten zudem die Möglichkeit, bei der Verbesserung dieser Techniken mitzuwirken, und könnten darüber hinaus auch dabei helfen, vielversprechende Prototypen zu tragfähigen Lösungen auszubauen.
  • Offene Produktionsdaten – Produzenten sammeln heute immer mehr Daten über ihre Produktion. Ströme von Materialien, Produkten und Energie können so immer effizienter gelenkt werden. Materialverbrauch und Müll werden reduziert, manchmal sogar kleinere Kreisläufe geschlossen. Aber zumeist bleiben diese Daten innerhalb der Mauern einer einzelnen Fabrik oder eines Unternehmens. Was würde möglich, würde man diese Daten öffnen und nutzen, um die Zusammenarbeit zwischen ganzen Netzwerken von Fabriken oder gar zwischen Industrien zu verbessern?
  • Offene Mülldaten – Welcher Müll fällt an in Haushalten, Städten und Fabriken? Wie viel Müll und wohin gelangt er? Offenheit bei diesen Daten würde es möglich machen, sie zu analysieren, Auffälligkeiten und Probleme darin zu finden und Lösungen dafür zu entwickeln; man hätte zudem starke Argumente, um für nachhaltige Veränderungen zu werben.
  • Natürlich gibt es viele Beispiele mehr. Was könnte Ihre Nachhaltigkeitsidee oder Ihr Nachhaltigkeitsprojekt oder -feld gewinnen mit einem Offenheitsansatz?


Die Open Source Circular Economy Days werden Konzepte und Fragen wie diese explorieren in der Arbeit an konkreten Problemen, Fällen und Aufgaben.  Wir werden die Herangehensweisen an Kommunikation, Gestaltung, Entwicklung und unternehmerisches Handeln für eine Kreislaufwirtschaft neu denken mit Open-Source. In vielen Fällen verlangen Strategien von Offenheit Anpassungen existierender Modelle – manchmal kleinere Korrekturen, manchmal tiefgreifende Umgestaltung. Bestehende Open-Source-Projekte haben gute und starke Geschäfts-, Kommunikations- und Gestaltungsmodelle entwickelt und getestet, diese wollen wir nehmen und ihren Einsatz in der Gesellschaft und Wirtschaft vorantreiben.

 

Einige Beispiele

schon in der Entwicklung:

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openLCA ist eine Open-Source-Software zur Lebenszyklusanalyse. Einer der wenigen bereits existierenden Ausgangspunkte für die Entwicklung einer Open-Source-Kreislaufwirtschaft. Wie aber können wir Lebenszyklusanalyse für dezentralisierte Zusammenarbeit in Netzwerken unterschiedlichster Fabriken ermöglichen?

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SCA_31

Das OpenStructures-Project experimentiert ein modulares Konstruktionsmodul, bei dem jeder für jeden gestalten kann auf der Basis eines offenen, von allen genutzten geometrischen Rasters. Wiederverwendung, Hacking und Dezentralität werden stark unterstützt! Was können wir von diesem Ansatz lernen? Wo könnte soetwas außerdem funktionieren?

 

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Viele Produkte kommunizieren bereits über standardisierte Recyclingcodes, aus welchem Kunststoff sie bestehen. Aber das ist längst noch kein vollständig transparenter Prozess. Der allergrößte Teil unseres Plastikmülls wird immer noch verbrannt, vergraben oder landet in den Ozeanen. Wie können wir besser gestalten und kommunizieren, um sicherzustellen, dass wirkliches Recycling geschieht?

 

Data Catlogue Toronto

Open Data Catalogue – eine offener Datenkatalog für Abfälle und Recycling; sehen Sie, der Katalog ist fast leer. Wie können wir das ändern?

Machen Sie mit oder unterstützen Sie die Open Source Circular Economy Days dabei, vorhandene Projekte weiter voranzubringen und neue zu entwickeln.

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Geschrieben von Lars Zimmermann & Sam Muirhead

November 2014

 

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